• PantherMedia A5614483Der Begriff “Arthrose” bezeichnet den Verschleiß von Knorpel- beziehungsweise Knochenstrukturen in verschiedenen Gelenken des menschlichen Körpers. Das Knie ist laut einer Erhebung des Robert-Koch-Institutes¹ das Gelenk, das am häufigsten von arthrotischen Veränderungen betroffen ist. Deshalb stellen therapeutische Maßnahmen am Knie einen überdimensional hohen Anteil in der Orthopädie dar.

    Es sind mehr Frauen als Männer von einer Arthrose betroffen, was geschlechtsspezifische und anatomische Gründe hat. Die Erkrankung ist eher auf die Art und Weise der Belastung des Gelenkes, als auf ein spezifisches Alter der Betroffenen zurückzuführen.  Als Ursachen von Arthrosen kommen Übergewicht, Infektionen, System- und Stoffwechselerkrankungen oder vorangegangene Verletzungen in Frage. Die häufigste Ursache für die Entstehung sind Gelenksfehlbildungen (Dysplasien). Durch physiologisch ungünstige Belastungswinkel und oftmals einseitige funktionelle Einschränkungen können stärker beanspruchte Anteile des Gelenkes der dauerhaften Last nicht standhalten, so dass irreversible Abnutzungen die Folge sind.

    ¹Robert Koch-Institut (Hrsg.): Gesundheit in Deutschland. Datentabellen. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Robert Koch-Institut. Berlin.

  • Der Knorpelverschleiß und der daraus resultierende Gelenksschmerz äußern sich zunächst nur in  Bewegung. Erst im Verlauf ist auch ein Ruheschmerz feststellbar. Im akuten Stadium der Arthrose werden diverse Symptome wie Rötung, Überhitzung und Schwellungen sichtbar, außerdem werden oftmals Schonhaltungen eingenommen, oder Kompensationsbewegungen ausgeführt, so dass parallel Überbelastungen anderer Bereiche entstehen können. Weitere Informationen zur Symptomatik finden Sie auf Arthrose aktuell

  • Bei fehlender Therapie können Gelenkdeformierungen und im schlechtesten Falle eine Zerstörung des Gelenkes die Folge sein. Die Entstehung der Arthrose ist oftmals ein langwieriger Prozess, welcher meist mit leichten und vorübergehend auftretenden Beschwerden beginnt. Das Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten von Arthrosen ist äußerst umfangreich und oft sehr spezifisch für verschiedene Gelenktypen. Operative Maßnahmen sollten in jedem Falle immer der letzte Schritt sein, sofern keine der zahlreichen anderen Therapievarianten Wirksamkeit erzielen.

    Konservative Behandlung

    Als konservative Behandlungsmöglichkeiten werden sehr erfolgreich vor allem entzündungshemmende Therapien, sowie Schmerzbehandlungen durchgeführt. Das Ziel hierbei ist, die normale Belastungskapazität und physiologische Bewegungsfreiheit unter Verhinderung mechanischer Einschränkungen wiederherzustellen und nach Möglichkeit dauerhaft zu sichern, so dass alle sekundär entstehenden Schädigungen ausgeschlossen werden können. Damit soll den Gelenkknorpeln die Möglichkeit zur Regeneration gegeben werden und damit ein Fortschreiten der Gelenkszerstörung vermieden werden.

    Hierbei kommen auch die beiden Therapiekonzepte SYSADOA (Symptomatic Slow Acting Drugs in Osteo-arthritis) und DMOAD (Disease Modifying Osteo-arthritis Drugs) zur Anwendung. Wobei ersteres den Verlauf der Arthrose als Krankheit im Unterschied zu den  DMOAD nicht grundsätzlich ändert, jedoch ist das Ziel die Verlangsamung der Knorpeldegeneration und die Remodellierung der Knorpel.¹

    In einigen Gelenken kann eine muskuläre Stabilisierung mittels Sport- Bewegungs- und Physiotherapie beziehungsweise Krankengymnastik erreicht werden. Entscheidend vor allem für die Entlastung der Gelenke der unteren Extremität sind ein angemessenes Körpergewicht und gegebenenfalls eine Gewichtsreduktion.

    Das Anlegen von Orthesen ist vor allem als Stabilisierungshilfe eine gute und erfolgversprechende Therapievariante. Diverse Maßnahmen, welche in die Kategorie „Physikalische Therapien“ fallen, werden seit Längerem mit gutem Behandlungserfolg angewendet. Erwähnenswert wären in dem Zusammenhang vor allem die Thermotherapie, Infrarot- und UV-Lichttherapie, Gleichstrom- und Wasseranwendungen sowie Massagen.  Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie ASS, Diclofenac und Ibuprofen können zur symptomatischen Behandlung von Schmerzen und als Entzündungshemmer eingesetzt werden. Cortison wird ebenfalls als Entzündungshemmer direkt ins Gelenk gespritzt. Hyaluronsäureinjektionen sollen den noch vorhandenen Knorpel vor weiterem schnellem Abbau schützen.

    Operative Maßnahmen

    Die Möglichkeiten operativer Eingriffe als Therapiemaßnahme sind ebenso vielfältig wie das Spektrum an konservativen Therapien. Sie kommen als Möglichkeit dann in Betracht, wenn nach sorgfältiger Abwägung aller anderen Möglichkeiten keine andere Maßnahme von Erfolg gekrönt ist. Dazu gehören der endoprothetische Gelenkflächenersatz, Knorpeltransplantation, zementfreie Gelenkprothetik, Osteotomien, Umlagerung von Sesambeinen wie der Kniescheibe, Knorpelglättung, Knieprothese, Gelenkersatz,  Sattelgelenksarthroplastik, Arthroplastik mit Knorpeltransplantation, Nervendurchtrennung zur Schmerzvermeidung, operative Gelenkversteifung (Arthrodesen).

    Der operative Ersatz von Gelenkflächen sollte als letztes Mittel der Wahl in Erwägung gezogen werden. Ein derartiger Eingriff ist aufwendig und nicht ohne Risiko. Deshalb sollten Alternativmöglichkeiten sorgfältig überprüft werden. Konservative Behandlungsmaßnahmen sind erfolgversprechend und die Risiken bei einer Operation, gemessen am Erfolg, sind nicht gering. Dies betrifft vor allem das hohe Infektionsrisiko im Kniegelenk sowie Folgebeeinträchtigungen von Knorpeln und Nerven. Nicht unerwähnt sollte auch bleiben, dass die derzeitige Haltbarkeit von Gelenksersatz im Schnitt 10 bis maximal 15 Jahre beträgt. Außerdem stellt eine Totalanästhesie eine große Belastung für den Körper dar, welche für viele Risikopatienten vermieden werden kann. Lassen Sie sich von Ihrem behandelnden Arzt ausführlich beraten oder holen Sie sich gegebenenfalls eine zusätzliche Meinung (Zweitmeinung, Second Opinion) ein. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit einer kostenlosen telefonischen Beratung durch einen unserer ausgewiesenen Spezialisten.

    ¹C. Fassl u. a.: SYSADOA/DMOAD-Konzept setzt auf langsame positive Effekte. In: Rheuma Plus 4, 2005

  • Wenn man von embryonal angelegten Fehlbildungen an Gelenken absieht, kann davon ausgegangen werden, dass viele erworbene Arthrosen durch präventive Maßnahmen zu vermeiden sind.

    Als Erstes ist eine Gewichtsanpassung ratsam, da gerade im Bereich der Extremitäten Gelenkabnutzungen und Knorpelrupturen infolge von gewichtsresultierten Überbelastungen stattfinden. Arthrosen im Kniebereich entstehen zum Großteil in Folge von Übergewicht.

    Eine weitere Ursache für die Entstehung von Arthrosen können Stoffwechselerkrankungen sein. Daher kann eine Umstellung der Ernährung einen präventiven Effekt haben. Es sollte auf eine ausgewogene und fettarme Ernährung geachtet werden.

    Wichtig für die Stabilisierung aller Gelenke des Körpers sind intakte ligamentöse Verankerungen und eine ausreichend stabilisierende Muskulatur. Insofern sind auf jede Muskelgruppe speziell angepasste Trainingsmethoden empfehlenswert. Krafttraining mit Gewichten, Lauftraining und Radfahren, aber auch die Stabilisierung der Rücken – und Schultermuskulatur durch Schwimmtraining sind sehr gut geeignet. Dadurch kommt es zu einer muskulären Stabilisierung des Gelenkes und zu einer Entlastung  des Knorpels.

Verlag: medexo
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