• PantherMedia A9131306Die menschliche Wirbelsäule enthält 23 Zwischenwirbelscheiben, 90 Prozent der Bandscheibenvorfälle treten im Lendenwirbelsäulenbereich auf. Weniger als zehn Prozent kommen im Bereich der Halswirbelsäule vor. Das durchschnittliche Alter beim Auftauchen des ersten Diskusprolaps liegt um das vierzigste Lebensjahr. Bandscheiben bilden eine Art von Stoßdämpfer zwischen den Wirbelkörpern. Sie werden nicht direkt – über Blutgefäße – mit Nährstoffen versorgt, sondern erhalten alle lebens-und funktionserhaltenden Stoffe mittels Diffusion. Im Inneren der Bandscheibe liegt ein gallertartiger Kern. Im Laufe der Zeit verändert sich der Bandscheibenknorpel strukturell und verhärtet oftmals oder verformt sich permanent durch Wasserverlust und Nährstoffmangel. Es entstehen Risse am Knorpelring. Bedingt durch die nachfolgende Formveränderung der Bandscheibe rutschen des Öfteren Teile in den Wirbelkanal und üben Druck auf Liquor und Rückenmark aus. Die Positionsveränderung wird als Bandscheibenvorfall bezeichnet und stellt eine der häufigsten Erkrankungen der Wirbelsäule dar.

    Abgesehen von der regulären Degeneration der Bandscheiben sind vor allem genetisch vorbelastete Menschen betroffen. Darüber hinaus spielt die Lebensweise, das heißt Bewegungsgewohnheiten, haltungsstatische Gesichtspunkte, Übergewicht sowie besondere berufliche Belastungen eine Rolle. Mitverantwortlich für ungünstige Belastungen im Bereich des gesamten Rückens ist die Fehlstatik des menschlichen Oberkörpers infolge des aufrechten Ganges.

  • Durch den auf das Rückenmark ausgeübten Druck wird oftmals die Funktion der extremitätenversorgenden Spinalnerven eingeschränkt. Dies verursacht zum Einen stark austrahlende, andauernde, stechende und sich bei Bewegung verstärkende Schmerzen und zum Anderen ein im Verlauf zunehmendes Taubheitsgefühl des Versorgungsgebietes des gequetschen Nervs (Arme, Hände, Finger, Beine, Füße, Zehen), je nachdem, welche Bandscheibe betroffen ist. In seltenen Fällen kann es in Folge dessen zur Rückenmarksschädigung und Querschnittslähmung kommen.

    Ein Diskusprolaps in der Lendenwirbelsäule kann den sogenannten Hexenschuss auslösen. Mitunter kann es dabei auch zur Unterdrückung der neuronalen Kontrolle von Blase und Darm kommen (Stuhl- und Harninkontinenz).

  • Die Behandlung kann in über 90 % der Fälle konservativ erfolgen und nur in besonders schweren Fällen sollte operativ vorgegangen werden. Einschätzungen zufolge sind über 80 % der Bandscheibenoperationen überflüssig und teilweise mit schweren Folgeschäden verbunden. Aus einigen Statistiken geht hervor, dass sich bei 70 bis 90 Prozent aller an Bandscheibenvorfällen erkrankten Patienten sämtliche Beschwerden von selbst gebessert haben beziehungsweise vollständig verschwunden sind. Als nichtinvasive Behandlungsmethoden kommen zur Schmerzbekämpfung schmerzlindernde Medikamente zum Einsatz. Außerdem helfen Wärmebehandlung, Veränderungen bei der Lagerung, Chiropraktik, Bewegungs- und Physiotherapie (Muskelaufbau).

    Die Entlastung von betroffenen Nerven nach Entfernung von Knorpelfragmenten wird angezweifelt. Als operative Maßnahme findet auch die  perkutane Laser-Diskus-Dekompression (PLDD) Anwendung.

    Nach Einschätzung einiger Spezialisten erbringen bis zu 80% aller Bandscheibenoperationen (bei jährlich etwa 30.000 Operationen in Deutschland) nicht den erwarteten Erfolg. Deshalb sollte zunächst der Effekt einer konservativen Therapie abgewartet und gegebenenfalls ein spezialisierter Orthopäde konsultiert werden, um weitere Maßnahmen zu besprechen.

    Behandlungsziel ist die Ursachenbeseitigung des Diskusprolaps. Da der statistische Erfolg von konservativer und invasiver Therapie etwa gleich groß ist, kann durch Beseitigung von Fehlhaltungen und Überbelastungen (Muskeltraining, Rückenschule) oftmals eine dauerhafte Erleichterung oder Beseitigung der Beschwerden erreicht werden.

    Angesichts der dramatisch schlechten Erfolgsquote bei Bandscheibenoperationen kann nur dringend zu einer sorgfältigen Prüfung bei der Entscheidung für eine Operation geraten werden, zumal die Heilungserfolge ohne Operation etwa gleich hoch sind. Abgesehen von schlechten Therapieerfolgen sind die Operationsrisiken durchaus hoch. Dies betrifft vor allem Folgebeeinträchtigungen von Nerven, sowie das Risiko von Infektionen. Jede Operation unter Totalanästhesie stellt eine große Belastung für den Körper dar, welche vermeiden werden kann – sofern unnötig.

    Lassen Sie sich von Ihrem behandelnden Arzt ausführlich beraten oder holen Sie sich gegebenenfalls eine zusätzliche Meinung (Zweitmeinung, Second Opinion) ein. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit einer kostenlosen telefonischen Beratung durch einen unserer ausgewiesenen Spezialisten.

  • In der sogenannten Rückenschule soll eine Optimierung bei Bewegungsabläufen im Rücken erreicht werden. Dem Patienten soll vermittelt werden, wie die Rückenmuskulatur gestärkt und entlastet wird. Generell kann durch gezieltes, kontinuierliches Training (Schwimmen, Tanzen, Joggen, Nordic Walking, Reiten, Fahrradfahren und Gymnastik) ein Muskelaufbau im Rücken erreicht werden, welcher eine gute Basis für eine stabile Statik liefert. Darüber hinaus sollten eigene Bewegungsabläufe und die Haltungsergonomie gut beobachtet werden, wie etwa das Anheben von Lasten oder das lange Sitzen am Schreibtisch, und falsche Angewohnheiten gegebenenfalls korrigiert werden. Auch hier kommen als Präventivmaßnahmen die Alexander-Technik und zum Beispiel Yoga in Frage.

Verlag: medexo
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