• PantherMedia 8718276Der Begriff Rückenschmerz (Dorsalgie) beschreibt keine Krankheit, sondern umfasst einen Symptomkomplex. Hierbei können die Beschwerden kurzzeitig oder über einen langen Zeitraum auftreten und stellen in Deutschland die zweithäufigste Ursache für einen Arztbesuch dar. Da der Symptomkomplex Rückenschmerz sehr unspezifisch ist, können eine Vielzahl von Erkrankungen für die Beschwerden ursächlich sein. Neben Erkrankungen der Wirbelsäule und der Rückenmuskulatur kommen auch Erkrankungen anderer Organe in Betracht, die sich in Schmerzen im Rückenbereich manifestieren können (Entzündung der Bauchspeicheldrüse, Nierensteine, Nierenbeckenentzündung, etc). Es ist daher ratsam bei unklaren Rückenschmerzen auch internistische Erkrankungen mit in die Liste der möglichen Ursachen aufzunehmen.¹

    Rückenschmerzen werden nach der Dauer ihres Auftretens unterschieden. Von akuten Rückenschmerzen spricht man bei einem Auftreten von weniger als sechs Wochen, von subakuten Rückenschmerzen bei sechs bis zwölf Wochen, von chronischen Rückenschmerzen ab mehr als zwölf Wochen. Nach einer Studie aus dem Jahr 2007 aus Deutschland sind bis zu 40% der Bevölkerung von akuten Dorsalgien (Rückenschmerzen) betroffen.²

    Orthopädische Ursachen für Rückenschmerzen sind vor allem Wirbelbrüche, Bandscheibenvorfälle, Spinalstenosen, Wirbelblockaden und Muskelverspannungen.

    Im Bereich der Brust- Bauch- und Beckenhöhle treten Rückenschmerzen vor allem im Zusammenhang mit lungen- und kardiovaskulären Problemen wie Lungenembolie, Herzinfarkt, koronarer Herzkrankheit, aber auch bei Verletzungen und Entzündungen der Atemmuskulatur und des Rippenfells (Pleuritis) auf. Im Bereich des Gastrointestinaltraktes kann es beim Auftreten von Zwölffingerdarmgeschwüren aber z.B. auch bei Gallenkoliken zu Schmerzen im Bereich des Rückens kommen. In der Beckenhöhle verursachen alle Entzündungen des Harnleitersystems und der Nieren zumeist Flanken- bzw. Rückenschmerzen. Bekannt sind Beschwerden im Rücken darüber hinaus noch im Zusammenhang mit chronischen Infektionskrankheiten wie der Lyme-Erkrankung (Borreliose, Enzephalitis) und Syndromen deren Ursachen zum Teil ungeklärt sind.

    Angesichts der Menge an Rückenerkrankungen und der Tatsache, dass es sich um die zweithäufigste Ursache für Arztbesuche handelt, sollte auch der Aspekt der Psychosomatik nicht unbeachtet bleiben.

    ¹Volkskrankheit Rückenschmerz: neue Sichtweisen, Common illness backache: new ways of looking at Gerd Hoffmann1, Ingeborg Siegfried2, 1 Arbeitskreis Sportmedizin der Akademie für ärztliche Fortbildung und Weiterbildung der Landesärztekammer Hessen; Johann Wolfgang Goethe-Universität, Institut für Sportwissenschaften, Frankfurt am Main, Germany 2. Arbeitskreis Sportmedizin der Akademie für ärztliche Fortbildung und Weiterbildung der Landesärztekammer Hessen, Biebertal, Germany Seminar des Arbeitskreises Sportmedizin der Akademie für ärztliche  Fortbildung und Weiterbildung der Landesärztekammer Hessen. Bad Nauheim, 05.06.2004.  Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc 04ruecken1

    ²W. Fink, G. Haidinger: Die Häufigkeit von Gesundheitsstörungen in 10 Jahren Allgemeinpraxis. Z. Allg. Med. 83 (2007), S. 102–108. Zitiert nach: Womit sich Hausärzte hauptsächlich beschäftigen. In: MMW-Fortschr. Med. Nr. 16/2007 (149. Jg.)

  • Topografisch betrachtet können Rückschmerzen in allen Bereichen des Rückens vorkommen. Symptomatisch sind Muskelverspannungen und Muskelschmerzen, Müdigkeit, ausstrahlende Schmerzen in die unteren Extremitäten, Bewegungs- und Haltungseinschränkungen und Gelenkssteifigkeit. Bandscheibenprobleme sind relativ leicht zu identifizieren anhand des oft auftretenden Taubheitsgefühls, Kribbelns und der Lähmungen in den Extremitäten.

    Urologische und nephrologische Beschwerden gehen oft mit stechenden Schmerzen und Problemen beim Wasserlassen einher.

    Der Verlauf der Beschwerden ist äußerst heterogen und lässt aufgrund der Vielzahl möglicher Indikationen nur teilweise Rückschlüsse auf die Ursachen zu. Oftmals verschwinden die Schmerzen so schnell, wie sie gekommen sind und eine Behandlung wird erst nach längerer Zeit oder kontinuierlichem Wiederauftreten erforderlich.

  • So vielfältig die Ursachen von Beschwerden im Bereich des Rückens sind, so umfangreich sind auch die Möglichkeiten einer therapeutischen Intervention.

    Hierbei bieten sich verschiedenste konservative und alternativmedizinische Behandlungskonzepte, die in den meisten Fällen sowohl bei akuten als auch bei chronischen Schmerzepisoden anwendbar sind. Als Ziel sollte immer die absolute Schmerzfreiheit angestrebt werden, um die Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses zu vermeiden.

    Behandlungsmöglichkeiten beginnen im Bereich der Psycho-und Verhaltenstherapie z.B. der Alexander-Technik (Schulung der körperlichen Haltung).

    Zur symptomatischen Behandlung der Schmerzen kann eine medikamentöse Schmerztherapie und die therapeutische Lokalanästhesie angewendet werden. Konservative Maßnahmen, wie klassische Sport- und Physiotherapie und physikalische Therapie z.B. diverse Arten der manuellen Therapie wie Matrix-Rhythmus-Therapie, Wassergefiltertes Infrarot A (wIRA) (der natürlichen Sonnenwärme nachempfunden), Spezielle Schmerz-Akupunktur, Mikrostromtherapie, Injektionstherapie (allgemein oder lokal), Hochtontherapie, gezielte Chirotherapie, Akuttherapie, transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) sind durchaus erfolgversprechend.¹

    Nach wie vor von Bedeutung ist die klassische Rückenschule. Abgesehen von symptomatischen und konservativen Therapieansätzen sind diverse invasive Behandlungstechniken bei der Beseitigung von Rückenschmerzen von Relevanz.

    Hier ein paar der Wichtigsten: offen-operative Verfahren, mikrochirurgische Dekompression, Implantologie, minimal-invasive lumbale Spondylodese.

    Rückenschmerzversursachende Krankheitsbilder, welche in den internistischen Bereich fallen und operativer Maßnahmen bedürfen, werde hier gesondert aufgeführt.

    Kardiovaskuläre Schädigungen werden zum Teil konservativ, palliativ wie auch operativ behandelt.

    Gastrointestinale Erkrankungen und Beschwerden, die in den urologischen Bereich fallen, werden sowohl konservativ (zum Beispiel entzündungshemmend), wie auch operativ (zum Beispiel Tumorresektion) versorgt.

    Es wird zu viel und zu schnell im Rücken- bzw. Wirbelsäulenbereich operiert. Bevor die Entscheidung zu einem solchen Eingriff fällt, sollten alle Alternativen und Risiken überdacht werden und der operative Eingriff als letzte aller Möglichkeiten betrachtet werden. Das Repertoire an konservativen Behandlungsmethoden ist umfangreich, nicht umsonst wurden komplette therapeutische Trainingsprogramme entwickelt. Als Operationsrisiken sind Folgebeeinträchtigungen von Nerven, Bändern und Muskeln sowie Infektionen zu erwarten.  Darüber hinaus stellt eine Totalanästhesie eine große Belastung für den Körper dar, welche für viele Risikopatienten vermieden werden kann.

    Lassen Sie sich von Ihrem behandelnden Arzt ausführlich beraten oder holen Sie sich gegebenenfalls eine zusätzliche Meinung (Zweitmeinung, Second Opinion) ein. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit einer kostenlosen telefonischen Beratung durch einen unserer ausgewiesenen Spezialisten.

    ¹Hoffmann G. Improvement of regeneration by local hyperthermia induced by waterfiltered infraredA (wIRA). Int J Sports Med. 2001; 23 Suppl 2:S145.10. Fuchs SM, Fluhr JW, Bankova L, Tittelbach J, Hoffmann G, Elsner P. Photodynamic therapy (PDT) and waterfiltered infrared A (wIRA) in patients with recalcitrant common hand and footwarts. Ger Med Sci. 2004;2:Doc08. Online verfügbar unter: http://www.egms.de/pdf/gms/2004-2/000018.pdf (PDF), http://www.egms.de/en/gms/2004-2/000018.shtml (shtml).

  • Hinsichtlich der Menge an Rückenerkrankungen, die einen orthopädischen Hintergrund haben, kann die Änderung der Lebensweise der Patienten – am besten aber eine Vorbeugung – viele Schädigungen verhindern. So sind Blockaden, Verkürzungen, Verkrümmungen und so weiter durch Kausale therapeutisch-präventive Maßnahmen wie Dehnen und Stretchen (präventiv, regenerativ und rehabilitativ) zu behandeln.¹

    Bewegungs- und Sporttherapie, klassische Rückenschule und individuelles Training (Muskelaufbautraining) beugen Haltungsstörungen vor. Wie für viele Krankheitsbilder gilt: Anpassung von Ernährungs- und Lebensgewohnheiten sowie Ausdauer- und Herz-Kreislauf-Training sind hilfreich und gesundheitsfördernd!

    Nicht umsonst wird in unserer Gesellschaft der Gemütszustand eines Menschen in Zusammenhang mit der Körperhaltung gebracht. Insofern ist das bereits erwähnte Verhaltenstraining, welches eine rückengerechte Haltung durch autogenes Training,  Entspannung und Erholung, Umgang mit dem Schmerz und Stressabbau zu erreichen versucht, eine durchaus zeitgemäße Präventivmaßnahme.²

    ¹Schreiber U. Training, Übertraining, Regeneration, Rehabilitation – Grundsätzliche Überlegungen unter spezieller Berücksichtigung des Bewegungssystems. Hoffmann G. Leistungssteigerung im Sport: Ursachen, Methoden, Bewertungen, Lösungen. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2003. Doc03sportmed1. Online verfügbar unter: http://www.egms.de/en/meetings/sportmed2003/index.shtml bzw. http://www.egms.de/en/meetings/sportmed2003/03sportmed1Extr4]

    ²Volkskrankheit Rückenschmerz: neue Sichtweisen, Common illness backache: new ways of looking at Gerd Hoffmann1, Ingeborg Siegfried2, 1 Arbeitskreis Sportmedizin der Akademie für ärztliche Fortbildung und Weiterbildung der Landesärztekammer Hessen; Johann Wolfgang Goethe-Universität, Institut für Sportwissenschaften, Frankfurt am Main, Germany 2. Arbeitskreis Sportmedizin der Akademie für ärztliche Fortbildung und Weiterbildung der Landesärztekammer Hessen, Biebertal, Germany Seminar des Arbeitskreises Sportmedizin der Akademie für ärztliche  Fortbildung und Weiterbildung der Landesärztekammer Hessen. Bad Nauheim, 05.06.2004.  Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc 04ruecken1

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