• SchulterluxationEchte Gelenke bestehen aus korrespondierenden Gelenkflächen und einer Kapsel. Beim Schultergelenk handelt es sich zwar um ein Kugelgelenk,  allerdings ist die Gelenkpfanne ausgesprochen flach, so dass die Haltefunktion eher von den  Muskeln und Sehnen der Rotatorenmanschette  übernommen wird. Dadurch entsteht eine besondere Anfälligkeit und Instabilität gegenüber äußeren Einwirkungen. Nach einer ersten Schulterluxation kann es aufgrund entstehender Weichteilschäden nicht selten zu weiteren Folgeluxationen kommen.

    Bei der Schulterluxation handelt es sich um die häufigste Ausrenkung von Gelenken. Ursachen sind oftmals unfall- (traumatisch) oder anlagebedingt. Aufgrund der anatomischen Besonderheit des Schultergelenkes mit seiner außerordentlichen Beweglichkeit und seiner anfälligen Statik können schon Bagatellverletzungen und Überdehnungen der Rotatorenmanschette zur Luxation führen. Angeborene beziehungsweise ererbte Anomalien wie etwa die Schulterpfannendysplasie sind ein wichtiger verursachender Faktor. Außerdem treten DNA- und Chromosomenmutationen auf wie das Ehlers-Danlos-Syndrom und das Down-Syndrom, welche unter anderem auch mit Veränderungen der kapsulären Kollagenstruktur einhergehen. Betroffen sind in Deutschland vorwiegend Männer. Das häufigste Aufkommen an Schulterausrenkungen ist bei Menschen etwa zwischen 15 und 35 Jahren zu finden.

  • Symptomatisch ist eine Bewegungseinschränkung, welche mit starken Spontan- und Bewegungsschmerzen einhergeht. Darüber hinaus ist oftmals die Schulterform verändert (eckig). Die Gelenkpfanne der Schulter ist bei der Luxation leer und somit der Kopf des Oberarmknochen frei und tastbar. Außerdem sind die Motorik und des Öfteren auch die Sensibilität des Armes gestört.

  • Bei einer unfallbedingten ersten Luxation (Ausrenkung) der Schulter sollte im Rahmen der Erstversorgung darauf geachtet werden, dass eine komplette Ruhigstellung, eine adäquate Schmerztherapie sowie eine lokale Kühlung durchgeführt werden und unmittelbar ein Krankenhaus aufgesucht wird. Ob eine Schulterluxation konservativ oder operativ behandelt werden sollte, hängt maßgeblich vom Ausmaß der Verletzung, dem persönlichen Alter und anderen individuellen Faktoren ab. Eine fundierte Therapieentscheidung ist somit von großer Bedeutung. Die Therapie beginnt nach dem Ausschluss von Frakturen in jedem Falle mit der Reponierung (Wiedereinrenkung). Eine Schmerzbehandlung ist dabei meist unumgänglich. Eine Muskelentspannung durch Schmerzmittel beziehungsweise Beruhigungsmittel  erleichtert die Reposition.

    Die Reponierung (Wiederinrenkung) der Schulter kann bei vollem Bewusstsein (ohne alternative Möglichkeiten), unter Analgosedierung (Kombination aus stärkeren Schmerz- und Beruhigungsmitteln), unter örtlicher Betäubung mittels Plexuskatheter beziehungsweise unter Vollnarkose durchgeführt werden. Dabei sind verschiedene Techniken möglich (Technik nach Hippokrates, Technik nach Arlt, Technik nach Kocher). Nach dem Einrenken sollte eine Stabilisierung der Schulter durch Anlegen eines Gilchrist- oder Desault-Verbands erfolgen. Eine Verzögerung der Wiederinrenkung kann zu Schäden an Nerven und Gefäßen führen. Deshalb muss nach der Reposition immer eine Kontrolle der Nerven- und Gefäßfunktion erfolgen.

    Eine operative Therapie ist bei veralteten Luxationen, dem Auftreten von Begleitverletzungen oder Komplikationen (Gefäß-/Nerven-Schäden, Hill-Sachs-Läsion, Bankart-Läsion) und wiederholten Luxationen indiziert. Operationen werden arthroskopisch oder offen durchgeführt. Die arthroskopische Bankart-Operation (Kapselshiftoperation) ist das am häufigsten angewendete Verfahren bei der invasiven Therapie.

  • Die einzige Möglichkeit einer Luxation vorzubeugen, ist die Stabilisierung von Schultermuskulatur und Ligamenten.

Verlag: medexo
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